Polizei und Demokratie. Ein Lagebericht aus Frankreich

European Lectures on Security and Society

Fabien Jobard, directeur de recherches au CNRS

Zeit: 04. Februar 2020, 20:00 Uhr c.t.

Ort: KG I, Hörsaal 1199, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Abstract: Aus Frankreich erreichten uns in letzter Zeit vermehrt erschreckende Bilder: Vermummte Polizeibeamte auf illegalen nächtlichen Protestzügen auf den Champs-Elysées, schlagende Polizeigruppen ohne Erkennungszeichen gegen wehrlose Demonstranten, Einsatz von Hand-, Blend- und Schockgranaten bzw. von Hartgummigeschossen, die beispielsweise im Rahmen der Gelbwestenbewegung zu dutzenden Verstümmelungen bei protestierenden BürgerInnen geführt haben. Ist Frankreich angesichts seiner Polizeikräfte auf dem Weg zu einer "illiberalen Demokratie"? Gehört Frankreich zum politischen Modell des "autoritären Liberalismus"? Dieser Vortrag beleuchtet Bedeutung und Rolle der Polizei in der Demokratie: Im Rahmen eines vergleichenden Blicks auf Frankreich und Deutschland seit 1945 wird versucht, die Polizei aus Sicht der Demokratietheorie zu verstehen und ein präzises Bild davon zu zeichnen, was praktisch unter "Demokratie" in Westeuropa zu verstehen ist. 

Aushang


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Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamt*innen

European Lectures on Security and Society

Prof. Dr. Tobias Singelnstein, Ruhr-Universität Bochum

Zeit: 09. Juli 2019, 20:00 Uhr c.t.

Ort: KG I, Hörsaal 1009, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Zusammenfassung: Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamt*innen ist bislang kaum empirisch untersucht, obwohl das Thema auch die öffentliche Debatte intensiv beschäftigt. Insbesondere zum Dunkelfeld und zur Dynamik der Konfliktsituationen und ihrer Aufarbeitung liegen kaum Erkenntnisse vor. Vor diesem Hintergrund untersucht das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt KViA-Pol an der Ruhr-Universität Bochum erstmalig systematisch rechtswidrige polizeiliche Gewaltanwendung aus der Perspektive der Opfer und im Kontext des polizeilichen Bearbeitungsprozesses. Im Fokus stehen dabei Viktimisierungsprozesse, das Anzeigeverhalten und die Dunkelfeldstruktur, die mit einer quantitativen Opferbefragung (Online-Fragebogen) und qualitativen Expert*inneninterviews untersucht werden. Der Vortrag stellt den Forschungsstand zum Thema vor und berichtet über die methodische Umsetzung der Fragestellungen im Rahmen der Studie. 

Aushang


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Tendencies in Public Civil Security Law.

European Lectures on Security and Society / Ringvorlesung der Graduiertenakademie SERIOR

Prof. Dr. Ralf Poscher, Universität Freiburg

Zeit: 15. Oktober 2018, 18:00 Uhr c.t.

Ort: KG I, Hörsaal 1098, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Abstract: Civil Security Law is emerging as a new comprehensive area of legal studies. The talk explores the causes of this development, systemizes different tendencies and addresses the challenges of this development. One of the causes for the civil security becoming a central issue also in the legal discourse can be traced back to a connection between a heightened sense of vulnerability, the ever more networked character of contemporary societies and the informational technologies which drive this development. The resulting tendencies are the internationalization and centralization of civil security measures as well as the blurring of several institutional and legal boundaries. These developments pose challenges for our collective and individual autonomy, which public civil security law has to continue to protect.

Aushang

Weitere Informationen zur Ringvorlesung der Graduiertenakademie finden Sie hier


Grenzen des Pragmatismus: Behördenversagen als Sicherheitsrisiko.

European Lectures on Security and Society

Prof. Dr. Wolfgang Seibel, Universität Konstanz

Zeit: 08. Mai 2018, 18:00 Uhr c.t.

Ort: KG I, Hörsaal 1009, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

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Abstract: Der Schutz physischer Sicherheit gehört zu den unbedingten Pflichten des Staates und damit der öffentlichen Verwaltung. Behördenversagen mit schwerwiegenden Folgen für die physische Integrität von Menschen ist daher in entwickelten Rechtsstaaten mit professionellen Verwaltungen sehr selten, ungeachtet seiner Seltenheit jedoch nicht vernachlässigbar. Anhand exemplarischer Fälle wird in dem Vortrag erläutert, dass Behördenversagens mit Schäden für Leib und Leben von Menschen einerseits auf Standardpathologien öffentlicher Verwaltungen beruht, andererseits aber auf spezifischen Gegenanreizen, welche die normalerweise greifenden Kontrollen solcher Standardpathologie schwächen oder außer Kraft setzen. Beispiele sind politischer Druck, Ressourcenknappheit, Verantwortungsverzerrungen oder schwache Artikulationsfähigkeit potentiell Betroffener. Der Vortrag vergleicht das Behördenversagen bei der polizeilichen Fahndung nach den NSU Mördern mit dem Versagen der Duisburger Stadtverwaltung bei der Planung und Vorbereitung der Loveparade 2010. Zentrale These ist, dass gerade ein in der Verwaltung ansonsten wünschenswerter pragmatischer Handlungsstil, der auf Problemlösungen statt Regelbefolgung setzt, im Bereich physischer Sicherheit erhöhte Anforderungen an das Führungspersonal stellt und dass unter den Bedingungen von politischem Druck, Ressourcenknappheit, Verantwortungsverzerrungen oder schwacher Artikulationsfähigkeit potentiell Betroffener das Risiko steigt, dass diese Anforderungen nicht erkannt und daher auch nicht erfüllt werden.


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