Prof. Dr. Wolfgang Seibel, University of Konstanz, will speak in Freiburg on May 8, 2018

Der Schutz physischer Sicherheit gehört zu den unbedingten Pflichten des Staates und damit der öffentlichen Verwaltung. Behördenversagen mit schwerwiegenden Folgen für die physische Integrität von Menschen ist daher in entwickelten Rechtsstaaten mit professionellen Verwaltungen sehr selten, ungeachtet seiner Seltenheit jedoch nicht vernachlässigbar. Anhand exemplarischer Fälle wird in dem Vortrag erläutert, dass Behördenversagens mit Schäden für Leib und Leben von Menschen einerseits auf Standardpathologien öffentlicher Verwaltungen beruht, andererseits aber auf spezifischen Gegenanreizen, welche die normalerweise greifenden Kontrollen solcher Standardpathologie schwächen oder außer Kraft setzen. Beispiele sind politischer Druck, Ressourcenknappheit, Verantwortungsverzerrungen oder schwache Artikulationsfähigkeit potentiell Betroffener. Der Vortrag vergleicht das Behördenversagen bei der polizeilichen Fahndung nach den NSU Mördern mit dem Versagen der Duisburger Stadtverwaltung bei der Planung und Vorbereitung der Loveparade 2010. Zentrale These ist, dass gerade ein in der Verwaltung ansonsten wünschenswerter pragmatischer Handlungsstil, der auf Problemlösungen statt Regelbefolgung setzt, im Bereich physischer Sicherheit erhöhte Anforderungen an das Führungspersonal stellt und dass unter den Bedingungen von politischem Druck, Ressourcenknappheit, Verantwortungsverzerrungen oder schwacher Artikulationsfähigkeit potentiell Betroffener das Risiko steigt, dass diese Anforderungen nicht erkannt und daher auch nicht erfüllt werden.

Prof. Dr. Wolfgang Seibel, Full Professor of Politics and Public Administration at the University of Konstanz

Time: 08.05.2018, 18:00h (c.t.)

Venue: HS 1009 (KG I), Albert-Ludwigs-University of Freiburg

The lecture will be held in German.

 

 

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